Sehschule

in der Sehschule unserer Augenarztpraxis betreut eine staatlich geprüfte Orthoptistin Patienten aller Altersgruppen mit unterschiedlichen Krankheitsbildern (der Orthoptik und Pleoptik).

Was ist eine Orthoptistin?

Der Beruf der Orthoptistin gehört zur Gruppe der medizinischen Assistenzberufe. Zu ihren Aufgaben gehört die Erkennung einer Schielstellung (Strabismus) bei Kleinkindern, um möglichst bald mit der Okklusionstherapie (stundenweise Zukleben des gesunden Auges) beginnen zu können, womit möglicherweise eine Schwachsichtigkeit (Amblyopie) des schielenden Auges verhindert werden kann.

Zum Tätigkeitsfeld der Orthoptistin gehört ebenfalls die Behandlung von Erwachsenen mit Sehstörungen wie z B Doppelbildern, verschwommenem Sehen, 'tanzenden Buchstaben' beim Lesen u.s.w... Letztere Symptome können auftreten, wenn ein verstecktes (latentes) Schielen vorliegt, eine sog. Heterophorie.

Diese Schielform ist nur nachzuweisen, wenn mittels bestimmter Untersuchungsmethoden die beidäugige Zusammenarbeit unterbrochen wird. Eine spezielle Brille mit entlastenden Prismen kann zum Erhalt der Leistungsfähigkeit und zum Wohlbefinden beitragen.

Was ist Schielen?

Beständige oder immer wieder auftretende Fehlstellungen der Augen nennt man Schielen ("Strabismus"). Daran leiden rund zwei Millionen Mitbürger. Nicht nur die oft entstellende, äußerlich sichtbaren Abweichung von der normalen Augenstellung wird als belastend empfunden, sondern auch die mit dem Schielen verbundenen Sehstörungen.

Schielen ist oft eine schwere Sehbehinderung und nicht nur ein Schönheitsfehler.

Die Behandlung des Schielens sollte so früh wie möglich beginnen, da mit dem Fortschreiten des Lebensaltes die Chancen auf einen Erfolg der Behandlung mit jedem Jahr erheblich sinken. Wenn Sie eine Fehlstellung der Augen bei ihrem Baby oder Kleinkind feststellen suchen Sie bitte sofort einen Augenarzt auf!

Wie wirkt sich das Schielen auf das Sehvermögen aus?

Das dreidimensionale Sehen ist das Ergebnis zweier leicht verschiedener Bilder, die in den beiden Augen entstehen und im Gehirn zusammengesetzt werden. Beim Schielen ist der Unterschied der beiden Bilder, durch die Fehlstellung der Augen jedoch so groß, dass sie im Gehirn nicht mehr zur Deckung kommen: Es entstehen störende Doppelbilder.

Im Gehirn eines Kindes führt dies dazu, dass das von einem Auge gelieferte Bild einfach unterdrückt wird, was zur Folge hat, dass dieses Auge seine Sehkraft "verlernt". Das Auge ist zwar organisch gesund, wird aber trotzdem sehschwach ("ambylop"). Ohne Behandlung entwickeln 90 % aller schielenden Kinder eine solche Ambylopie. Wird das Schielen nicht rechtzeitig erkannt und behandelt entsteht eine lebenslange Sehschwäche, denn das Auge ist von sich aus nicht in der Lage das sehen wieder zu "erlernen". Die Beeinträchtigungen ihres Kindes im Alltags- und Berufsleben sind immens. Treffen Sie also - vor allem im Sinne ihres Kindes - rechtzeitig Vorbeugemaßnahmen und suchen Sie einen Augenarzt auf. Ambylopie läßt sich - wenn rechtzeitig behandelt wird - so gut wie immer verhindern.

Wie lernen Babys das sehen?

Bereits kurz nach der Geburt sind Babys in der Lage - wenn zunächst auch undeutlich - zu sehen. Die Sehschärfe entwickelt sich durch ständiges üben, wobei allerdings nur ein Begrenzter Zeitraum zur Verfügung steht. Dieser Zeitraum erstreckt sich ungefähr bis zum Beginn der Schulzeit.

Währen des Lernvorganges, speziell in den ersten Wochen und Monaten, sind flüchtige Fehlstellungen noch kein Zeichen zur Beunruhigung, denn auch das Fixieren muss das Kind erst erlernen.

Weicht die Blickrichtung des einen Auges jedoch ständig von der Blickrichtung des anderen ab, so sollten Sie umgehend einen Augenarzt aufsuchen. Der kann bereits bei Säuglingen ein mögliches Schielen feststellen und die Behandlung zur richtigen Zeit einleiten.

Welche Formen des Schielens gibt es?

  • Einseitiges ("monolaterales") Schielen
    Schielen eines Auges. Oft bedingt durch schlechtere Sehschärfe oder geringere Beweglichkeit des einen Auges.
  • Wechselseitiges ("alternierendes") Schielen
    Schielen beider Augen. Fehlstellung bei beiden, gleichwertigen Augen.
  • Einwärtsschielen
    Abweichung des schielenden Auges nach innen.
  • Auswärtsschielen
    Abweichung des schielenden Auges nach außen.
  • Höhenschielen
    Abweichung des schielenden Auges nach oben oder unten.
  • Verrollungsschielen
    Abweichung des schielenden Auges durch Verdrehung um die Sehachse.
  • Latentes Schielen
    Das beidäugige Sehen wird durch Abdecken eines Auges oder auf ähnliche Weise aufgehoben. Oft die Ursache von Kopfschmerzen und Leseunlust bei Schulkindern.
  • Manifestes Schielen
    Wiederholte oder ständige Fehlstellung beliebiger Richtung.
  • Mikroschielen
    Einseitig nach innen gerichtetes Schielen. Oft geringfügig und für den Laien nicht erkennbar.

Welche Ursachen hat das Schielen?

Eine Veranlagung zum Schielen kann bereits erblich bedingt sein. Das läßt sich aus der Tatsache schließen, dass Schielen in manchen Familien gehäuft auftritt. Schielt also ein Elternteil - oder wurde deshalb behandelt - sollte das Kind auf alle Fälle bereits im ersten Lebensjahr von einem Augenarzt untersucht werden, auch wenn eine Schielstellung nicht beobachtet werden kann.

Weitere Ursachen für das Schielen können Erkrankungen des Auges sein. Wie z.B. angeborene seitenungleiche Brechungsfehler, einseitige Linsentrübungen, Tumore im Auge oder Verletzungen.

Eine "erworbene" Fehlstellung kann aber auch plötzlich auftreten, z.B. bei Kinderkrankheiten, bei hohem Fieber, nach Unfällen - etwa Gehirnerschütterung, Linsentrübung oder Netzhautablösung - oder in schweren seelischen Krisen.

Welche Früh- oder Warnzeichen gibt es beim Schielen?

Die besten Chancen rechtzeitig dem Augenarzt vorgestellt zu werden, haben Kinder mit einer deutlichen Fehlstellung der Augen. Leider überwiegen jedoch die kaum oder nicht sichtbaren Abweichungen. Oft wird so etwas erst bei dem Einschulungssehtest festgestellt, wenn es für eine erfolgreiche Behandlung bereits zu spät ist. Daher ist es wichtig die ersten Symptome zu kennen und dann sofort zu reagieren.

Hinweise auf ein drohendes oder schon eingetretenes Schielen können sein:
Lichtempfindlichkeit, Augentränen, Zukneifen eines Auges, Verstimmung oder Reizbarkeit, chronische Lidrandentzündung, schiefe Kopfhaltung und ungeschickte Bewegungen.
Das alles sind Alarmzeichen und jedes für sich ein triftiger Grund sofort einen Augenarzt aufzusuchen.

Das ihr Baby schielt können Sie bei nicht zu kleinen Abweichungen so erkennen:
Stellen Sie sich mit dem Rücken zum Fenster oder unter eine Deckenleuchte. Halten Sie Ihr Baby so vor sich, daß seine Augen zum Licht gerichtet sind. Sie sehen auf der Hornhaut beider Augen kleine Spiegelbilder des Fensters oder der Deckenleuchte. Die Spiegelbilder müssen in beiden Augen seitengleich zur Pupille liegen. Ist ein Spiegelbild verschoben, teilen Sie Ihrem Augenarzt unverzüglich Ihre Beobachtung mit.

Welche Vorsorgeuntersuchungen gibt es?

Verlassen Sie sich nicht darauf eine Sehschwäche selber feststellen zu können. Oft sind die Anzeichen für einen Laien nicht erkennbar. Jedes Kind hat einen gesetzlichen Anspruch auf die Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U8. Nehmen Sie dieses Angebot wahr aber verlassen Sie sich nicht vollständig auf sie. Erstens finden diese Untersuchungen nicht in einer Augenarztpraxis statt, wo es die optimalen Bedingungen zur Feststellung einer Augenkrankheit bei Säuglingen und Kleinkindern hat und zweiten kommen die Vorsorgemaßnahmen U7 bzw. U8, die um den dritten bzw. vierten Geburtstag vorgesehenen sind, für die Behandlung einer sehr früh aufgetretenen Amblyopie reichlich spät. Es wird daher dringend empfohlen zusätzlich zu den Vorsorgeuntersuchungen das Kind zum Ende des zweiten Lebensjahres ihrem Augenarzt vorzustellen.

Wie behandelt man Schielen?

Die Ursache des Einwärtschielens wird bei mehr als der Hälfte der Kinder, durch nicht korrigierte Fehlsichtigkeit (in der Regel eine stark ausgeprägte Übersichtigkeit) verursacht. In diesen Fällen wird das Schielen von der richtigen Brille beseitigt oder zumindest verringert. Die Behandlung mit einer Brille kann dabei bereits ab dem zweiten Lebenshalbjahr versucht werden.

Wie behandelt man Amblyopie?

Die Okklusionsbehandlung, bei der Klebepflaster nach Anweisung des Augenarztes in einem bestimmten Wechselrhythmus auf das nicht-schielende bzw. schielende Auge geklebt werden, dient zur Verhinderung oder auch Beseitigung der Amblyopie. Das nicht-schielenden Auge soll durch den Pflasterverschluß trainiert werden. Eine okklusionsbedingte Sehschwäche des nicht-schielenden Auges wird durch den Pflasterwechsel verhindert.

Verträgt ein Kind die Hautpflasterbehandlung nicht, wird der Augenarzt Augentropfen oder Augensalben verordnen, die nach festgelegtem Zeitplan in das nicht-schielende Auge gegeben werden. Die Pupille des besseren Auges wird dadurch erweitert, die inneren Augenmuskeln vorübergehend entspannt und das schielende Auge trainiert - da das Kind nun überwiegend dieses Auge benutzt.

Das sorgsame Einhalten der vom Augenarzt in jedem einzelnen Fall für das schielende und das nicht-schielende Auge exakt ermittelten Behandlungs- bzw. Trainingsphasen ist die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg der Amblyopiebehandlung.

Führen all diese Maßnahmen nicht zum Erfolg, so kann der Arzt eine Schulungsbehandlung verordnen. Die Amblyopievorsorge und -behandlung ist meist sehr langwierig und muss über Jahre bis ins Wachstumsalter hinein zusätzlich zur Brille und auch nach erfolgreicher Operation fortgesetzt werden. Jedoch kann bei Schulkindern der Verschluss eines Brillenglases meist das Hautpflaster ersetzen.

Was geschieht bei der Schieloperation?

Die Fehlstellung der Augen von etwa der Hälfte der schielenden Kinder kann durch eine Operation an den äußeren Augenmuskeln beseitigt werden. Manchmal ist dies sogar die Voraussetzung für alle weiteren Maßnahmen. Die Operation kann meist erst dann durchgeführt werden, wenn das Kind die Brille verlässlich trägt, mit beiden Augen annähernd gleich gut sieht und sich ausreichend untersuchen lässt. Leider wird durch die Operation alleine der Sehfehler meistens nicht behoben und es bedarf weiterer Maßnahmen, wie etwa das tragen einer Brille.

Die Schieloperation selber birgt aber nahezu kein Risiko und hat sehr gute Erfolgsaussichten. Das Kind spürt von dem Eingriff nichts, da die Operation in Allgemeinnarkose durchgeführt wird. Lediglich bis zu 48 Std. nach dem Aufwachen wird im allgemeinen eine Reaktion des Auges beobachtet und dies auch in erträglichem Maße. Das Auge wird bei der Operation weder herausgenommen noch aufgeschnitten, sondern lediglich die leicht heilende Bindehaut wird geöffnet. Ob ein einmaliger Eingriff genügt hängt vom Ergebnis der Vorbehandlung und der Art der Fehlstellung ab.

Wie können Eltern und Augenarzt zusammenarbeiten?

Bei allen anderen Therapiemaßnahmen (mit Ausnahme der Operation) ist die Behandlung nur erfolgreich, wenn die Eltern zuverlässig mitwirken. Die verordnete Brille ausnahmslos und ununterbrochen vom Kind getragen werden und Haut- oder Brillenpflaster müssen zuverlässig und genau nach der Anweisung des Augenarztes getragen werden. Auch Augentropfen und -salbe müssen genau nach Plan gegeben werden und kein Termin - ob zur Schulung oder Untersuchung - darf versäumt werden.

Auch ist eine Menge Geduld nötig, da sich die Behandlung einer Amblyopie sich bis zum 12. Lebensjahr und manchmal darüber hinaus erstrecken kann. Weiterhin sind Rückfälle noch bis ins Wachstumsalter hinein möglich. Das Kind sollte also während der ganzen Zeit stets Trost und Hilfe bei den Eltern finden können.

Ihr Augenarzt kennt diese Problematik und wird Sie in jeder Weise unterstützen: medizinisch, psychologisch und durch eingehende Informationsgespräche.

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